Von 2008 bis 2013

Anmerkung: Ich freue mich über jede Korrektur und Ergänzung! Andreas Delleske

Rhino und der Abschluß der Baumaßnahmen

Wir schreiben das Jahr 2008 und der Abschluß aller Bauarbeiten ist zumindest in Sicht. Alle Grundstücke sind bald verkauft - bis auf eines oder zwei.

Die "Visitenkarte" - also der "Eingangsbereich" des Stadtteil Vaubans an der Kreuzung zwischen Vaubanallee und Merzhauser Straße ist auch nach zehn Jahren noch nicht verkauft, und das, obwohl die Stadt nicht müde war zu erwähnen wie attraktiv doch der am dichtesten besiedelte Stadtteil von Freiburg sei. Daß es aber auch am Preis liegen könnte, kam der Verwaltung vermutlich nie in den Sinn. 

Dann wird von einem Investor gesprochen: Ein deutscher plastischer Chirurg, der in Genf wohnt (und versteuert) will das Grundstück kaufen und darauf Wohnungen und Gewerbe ansiedeln. Derselbe Investor ist allerdings in Genf schon gut bekannt: Dort gehört ihm ein Teil der Rheinstraße, - man wirft ihm vor, dort maximalen Profit herausschlagen zu wollen und die eingesessenen Mieter vertreiben zu wollen. Ausgehend von der "Rheinstraße" heißt das Projekt dort "Rhino". Derselbe Investor will nun - so heißt es - im Stadtteil Vauban einsteigen. Dagegen rührt sich auch hier einiger Widerstand, und die Aktivisten welche anschließend den Platz besetzen werden nennen sich ebenfalls "Rhino".

Was bisher ein wilder Parkplatz auf einer öden Kiespiste war, wird nun ein kleines "kulturelles alternatives Zentrum", während sich einige Anwohner über die nächtliche Ruhestörung beschweren. Es gibt ein improvisiertes Café, manchmal kulturelle Aktivitäten, ganz wie bei den "Mauerseglern" Nähe "Mauerpark" in Berlin, wenngleich noch etwas improvisierter, da eine dauerhafte Ansiedlung nicht in Sicht ist (und der Ort vielleicht auch zu laut).

Viele Vaubanbewohner wollen nicht nur gegen den Investor sein, sie wollen selbst beteiligt werden bei der Auswahl der Kriterien und Ziele und selbst zur Planung beitragen - vor allem nach den zehn Jahren vorangegangenen Stillstand. Es entsteht eine interaktive Webseite "Eingang Freiburg Vauban" auf der in einigen Wochen und noch einigen öffentlichen Versammlungen viele gute Ideen und Impulse gesammelt werden. Auch einige Architekten mischen sich ein - allen voran Hubert Horbach und Bobby Glatz, aber auch Michael Gies macht einen Vorschlag, - viele dieser Ideen wären es wert gewesen umgesetzt zu werden.

Die Verwaltung regiert auf den entstehenden Druck und räumt einen kleinen Wettbewerb ein - die Bürger dürfen aber nur einen der fünf Wettberwebsteilnehmer vorschlagen. Der von den Bürgern bevorzugte Entwurf vom Architekturbüro Michael Gies Architekten und mit Haustechnikplaner Solares Bauen - nicht zuletzt mit dem ehrgeizigsten Ökologiekonzept aller Bewerber - gewinnt dann doch nicht.

Die FSB gewinnt den Wettbewerb und tritt dann doch erst mal zurück

Die Stadt verkauft das Grundstück an die stadteigene FSB (Freiburger Stadtbau) weil wie zu hören war nur sie in der Lage wäre das Grundstück zum vorgegebenen Preis zu kaufen und dennoch ein Gewerbezentrum umzusetzen. Nach welchen Kriterien die FSB den Wettbewerb gewinnt entzieht sich unserer Kenntnis (Anmerkung: Mehr Info dazu sehr willkommen) Soweit ich mich erinnere ist der einzige Impuls der Bürger der am Ende auch umgesetzt wird die Realisierung eines integrativen Hotels. Weder Toiletten für die ca. 30.000 Besucher pro Jahr oder ein Besuchersaal für Vorträge oder wenigstens ein Infobüro wird realisiert, wie es sich die Bürger und die vielen ökologischen Fachbesucher wünschen die immerhin jährlich ein paar Millionen in der Stadt lassen.

Daß die maximale Ausnutzung der Fläche nach oben getrieben werden soll ist mittlerweile klar. Der große Klotz gegen den SUSI (als betroffene Nachbarin) schon 1995 formell protestierte wird also nun gebaut. Starker Protest erbrachten aber noch zum Schluß die Auftrennung in zwei Baukörper.

Und dann: Wenige Wochen nachdem die FSB den Wettbewerb gewonnen hat, meldet sie, das Projekt sei so nicht machbar. Als naiver Zeitungsleser hätte ich nun erwartet dann muß der Wettbewerb wiederholt werden oder der zweitbeste Entwurf gewinnt. Es werden stattdessen Bedingungen oder Budgets im Nachheinein geändert (mehr Infos willkommen!) und die FSB ist zufrieden und beginnt mit der Planung. Wer weiß wie der Wettbewerb ausgegangen wäre wenn die Bedingungen von Anfang an für alle gleich gewesen wären. 

Die Architektur hat dann zum Glück doch noch die eine oder andere positive Qualität: Obwohl kein Passivhaus, wird die Außenwand mit vorgefertigten Holzelementen mit einiger Dämmung gebaut und das Gebäude wird auf der Südseite voll berankt - zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal. Hoffen wir mal, daß die Bewohner die Pflanzen in ein paar Jahren nicht rigoros zusammenschneiden da sie so wie sie angebracht sind Licht kosten. Ein weiteres Plus: Die Fassade ist aus Holz - größtenteils grau gestrichen aber auf der Nordseite mit optischen Naturholzelementen die der sehr trockenen Formensprache auf der Nordseite eine Art Gnaden-Charme verleihen. Bis dann die Holzelemente in ein paar Jahren auch grau sein werden, ist ja noch etwas Zeit.

Das "Green City Hotel Vauban" entsteht

Ein innovativer Lichtblick für den Stadtteil ist das "Green City Hotel Vauban": Moderne, zweckmäßige Architektur und Design verbindet sich mit einem großzügigen Eingangsbereich und Tagunsgraum. Das besondere: Das Hotel wird von einer gemeinnützigen GmbH betrieben. Gemeinnützig bedeutet in diesem Fall daß Gewinne nicht entstehen dürfen oder sie müssen der Satzungszielen zugutekommen - und ein wesentliches Ziel und Zweck des Hotel Vauban ist die "Inklusion" - Menschen mit kleinen oder größeren Behinderunen, oder sagen wir besser Besonderheiten, die es im üblichen Wettbewerbsdruck der restlichen Wirtschaft schwer hätten sind hier angestellt. Da Inklusion bedeutet, daß etwas mehr Personal nötig ist, fließen die Einnahmen also dprthin und nicht in die Taschen von Investoren. Herr Staub, der Geschäftsführer der Hotels wundert sich zusammen mit vielen Vaubanbewohnern, warum einzelne es dennoch für nötig hielten noch vor der Einweihung Farbbeutel auf die Südfassade zu werfen die immer noch zu sehen sind.

Daß die Stadtverwaltung auf die Beschwerden von SUSI bezüglich der Höhe und Verschattung nie auch nur reagiert hat, ist nichts was der Betreiber des gemeinnützigen Hotels auszubaden hat, finde ich.

Die Vaubanaise läuft los

Nach 15 Jahren sind originellen die Namen mit "Vauban" im Namen schon fast ausgeschöpft - wie "Villaban", "DIVA", "Genova" und sicher noch anderen, aber einen Treffer hat noch das Projekt "Vaubanaise" gelandet: Ein integratives, soziales Wohnprojekt mit fünf Stockwerken. Es basiert auf einer Genossenschaft und enthält eine bunte Mischung von Mietern und Mieterinnen verschiedenen Alters - mit mehr oder weniger Pflegebedarf, wie in den drei betreuten Wohngemeinschaften klar wird. Bezogen wurden die meisten Wohnungen im Juli - und man darf gespannt sein wie die Vaubanaise sich noch in den Stadtteil integrieren wird - oder schon integriert ist.

Als die Leute von "Rhino" mit großem polizelichem Brimborium vom Grundstück "Mi1" geräumt wurden, kamen die Besetzer für einige Wochen auch mit Billigung der Vaubanaise auf dem Baugrundstück unter - sie verließen es aber wieder als der Bau begann - so konnte immerhin verhindert werden daß die Polizei wie üblich Wohnwägen beschlagnahmt und teilweise auch zerstört, wie schon zu hören war.

Seit 2011

Die Zahl der Besucher oder Besuchergrppen erlebte vermutlich in 2009 eine Art Höhepunkt - seither gibt es mehr und mehr ökologische Projekte und Beispiele auch in anderen Städten. In Frankreich beginnt eine ökologische Entwicklung die vielleicht noch nicht landesweit sichtbar, aber unaufhaltsam scheint. Das Bessere ist bekanntlich des Guten Feind und so verwundert nicht, daß unser Stadtteil sich als ehemaliges brilliantes Einzelstück heute neben andere interessante Projekte einordnen lassen muß.

Ausblick

Bei anderen Bauprojekten in der Stadt ist das Thema Ökologie eher ein Randthema: Zum Teil ist ökologisches Bauen schon bei den Bauherren angekommen (auch da es wirtschaftlich ist), zum anderen haben sich die engagiertesten Bürger im Stadtteil Vauban und Rieselfeld verausgabt - manche sind frustriert wie schwierig es immer wieder ist - trotz des positven Image, von dem die ganze Stadt seit vielen Jahren profitiert.

Leider scheinen auch die Bürgerbeteiligungsprozesse, wo vorhanden, nicht immer zu funktionieren: Als der Stadtteil Gutleutmatten geplant wurde und die Bevölkerung eingeladen, meldeten sich vor allem Bürger aus der Nachbarschaft die unbedingt verhindern wollten daß ein Verkehrskonzept wie auf Vauban entsteht, da "sonst überall in der Nachbarschaft geparkt würde". Ein Ökostadtteil ist eben machtlos gegen das universelle Spießertum - vor allem wenn man nicht wirklich erkennen kann ob die Stadtverwaltung überhaupt hinter modernen Konzepten wie dem sehr erfolgreichen Stadtteil Vauban steht - Zweifel sind leider angebracht.

Unser vormaliger Bürgermeister Böhme (SPD) hält jedoch nicht viel von dem Stadtteil, denn viele tausend Fachbesucher pro Jahr vorrangig besuchen, - er meint, der Stadtteil Rieselfeld sei besser gelungen. Wenn schon der OB, unter dem das Projekt gestartet war, so redet...

Für mich ist der einzige wirklich positive Vorstoss den die Stadt Freiburg zur Zeit vornimmt, die BHKW-Studie und die Umsetzung ihrer Ergebnisse - beginnend mit dem Projekt "Bürgerkraftwerk Wiehre". Es wäre wirklich großartig und einer ehemaligen Umwelthauptstadt würdig wenn im Laufe der Zeit alle oder sehr viele individuelle Gas- oder Ölkessel mehrerer Häuser zusammengefasst würden, um dann sehr wirtschaftliche Blockheizkraftwerke einzubauen - eine unserer nicht zahlreichen, aber kostengünstigen Möglichkeiten die Fluktuation der Stromproduktin bei Sonne und Wind auszugleichen.

Das wäre der nächste, wichtige Schritt.

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