Das LIFE-Projekt

Förderprojekt 3: Das LIFE-Projekt

Umsetzung des nachhaltigen Modellstadtteils Vauban
Gefördert durch das Umweltprogramm LIFE der Europäischen Union (LIFE97 ENV/D/000469)
Projektlaufzeit: Mai 1997 bis Dezember 1999
Fördersumme: 715.800 Euro

Auszug aus der Zusammenfassung des Technischen Abschlussberichts (eingereicht bei der Generaldirektion XI der Europäischen Union im März 2000)

In fünf inhaltlichen Teilbereichen verfolgte das Projekt "Modellstadtteil Vauban" die Realisierung einer nachhaltigeren Stadtentwicklung. Die Themen und die verantwortlichen Akteure waren:

  1. Planung und Kooperation (Stadt Freiburg)
  2. Beratung und Bürgerbeteiligung (Forum Vauban e.V.)
  3. Verkehr (Freiburger Auto-Gemeinschaft e.V., Forum Vauban e.V.)
  4. Energie (Freiburger Energie- und Wasserversorgungs AG, Forum Vauban e.V.)
  5. Modellhaus (Genova Wohngenossenschaft eG)

Die Projektleitung lag beim Forum Vauban e.V., bei der Verbreitung der Ergebnisse unterstützte das Städtenetzwerk ICLEI als Projektpartner das Forum Vauban.

Planung und Kooperation

Die Stadt Freiburg ist als Eigentümerin des Vaubangeländes verantwortlich für die Planung und Erschließung. Dabei wurden von Beginn an soziale und ökologische Qualitäten angestrebt und in den städtebaulichen Zielen fest geschrieben: verbindlicher Niedrigenergiestandard bei Neubauten, Stadtbahnanschluss bis 2006, Regenwasserversickerung auf dem Gelände, soziale Mischung und bevorzugte Vergabe der Grundstücke an private Bauherren und gemeinschaftliche Bauprojekte.

Mit dem Prinzip der "lernenden Planung" praktizierte die Stadt Freiburg eine Philosophie, die nachträglich auf neue Entwicklungen flexibel reagieren kann. Dies ermöglichte, dass in einem "erweiterten" Bürgerbeteiligungsverfahren, das deutlich über die Anforderungen des Baugesetzbuches hinaus geht, Anregungen aus der Bürgerschaft Eingang in die Planungen finden konnten. Weiter erhielt ein bürgerschaftlicher Vertreter einen Sitz in der Gemeinderätlichen Arbeitsgruppe Vauban.

Über die "lernende Planung" und die "erweiterte Bürgerbeteiligung" kam es dazu, dass in den Bereichen Verkehr (autofreies Wohnen), Energie (Passivhäuser), Bauen (gemeinschaftliche Bauprojekte) und Soziales (Bürgerhaus) deutliche Modifikationen der Planungen aufgrund von Anregungen aus der Bürgerschaft vorgenommen wurden. Außerdem wurden Beteiligungsveranstaltungen gemeinsam von der Stadt Freiburg und dem Forum Vauban durchgeführt.

Die intensive Beteiligung führte zum Teil zu einem deutlichen Mehraufwand auf Seiten der Stadt Freiburg. Diesem steht jedoch ein Gewinn an Transparenz und Akzeptanz gegenüber, der sich langfristig stabilisierend für den Stadtteil auswirken wird. Das Selbstverantwortungsgefühl der Bürger wird gestärkt und der Politikverdrossenheit wird somit entgegengewirkt. Trotz gelegentlicher Konflikte sieht die Stadt Freiburg und die Bürgerschaft in dem partizipativen und kooperativen Ansatz einen großen Gewinn für die Qualität und die weitere Entwicklung des Stadtteils Vauban.

Beratung und Bürgerbeteiligung

Das Forum Vauban konnte erfolgreich die zukünftigen Bauherren in die Verwirklichung des Modellstadtteils einbinden. Im Sinne eines "Push and Pull" Ansatzes sollten die durch Bebauungsplan und Kaufverträge vorgeschriebenen ökologischen Anforderungen über freiwillige Maßnahmen der Bauherren ergänzt werden. Hierzu entwickelte das Forum Vauban ein Beratungskonzept zu verschiedenen Fragestellungen rund um das ökologische und soziale Bauen. Die privaten Bauherren und Baugruppen, aber auch die Bauträger, wurden mit Hilfe von Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen zu den genannten Themen beraten. Insbesondere bei den privaten Bauherren und Baugruppen führte dies dazu, dass ökologische und soziale Fragestellungen bei den Bauprojekten verstärkt berücksichtigt wurden.

Bauen in Baugruppen entwickelte sich in Vauban zu einem Erfolgsmodell. In den zahlreichen privaten Baugemeinschaften wurden zum einen sehr günstige Baukosten erzielt, außerdem entstanden dort schon weit vor dem Einzug stabile Nachbarschaften. Für Fragen des sozialen und ökologischen Bauens zeigten sich die Baugruppen besonders aufgeschlossen, weshalb diese Form des Bauens im Rahmen des Projekts organisatorisch unterstützt wurde. Über die Vernetzung der Gruppen untereinander konnte ein hoher Multiplikatoreffekt erzielt werden.

Die Beratungsangebote wurden ergänzt durch Beteiligungsmöglichkeiten für jung und alt im Rahmen der erweiterten Bürgerbeteiligung. In Arbeitskreisen zu Themen wie Verkehr, Energie, Frauen oder Baugruppen wurden Vorschläge erarbeitet, die später mit den offiziellen Planern diskutiert und in hohem Maße berücksichtigt wurden. Besondere Beteiligungsworkshops gab es zu den Themen Wohnstraßengestaltung und Gestaltung der öffentlichen Grünflächen.

Verkehr

Vauban genießt eine gute Anbindung ans öffentliche Nahverkehrs- und Radwegenetz. Im "Stadtteil der kurzen Wege" sind Schule, Einkaufsmöglichkeiten und Naherholung fußläufig erreichbar. Ein großer Teil des Wohngebiets ist im Bebauungsplan als "stellplatzfrei" definiert: Die Autos müssen in einer Quartiersgarage am Rand des Stadtteils abgestellt werden.

Auf Initiative des Forum Vauban wurde ein Pilotprojekt für autofreies Wohnen umgesetzt. Haushalte, die kein Auto besitzen und auch keines regelmäßig nutzen, erhalten eine Aussetzung der Pflicht, einen teuren Stellplatz in der Quartiersgarage zu kaufen. Pro autofreien Haushalt bedeutet dies finanzielle Einsparungen von über 12.500 €. Auf Car-Sharing Angebote kann zurückgegriffen werden. Fast 50 % der Haushalte im ersten Bauabschnitt nutzten diese Wahlmöglichkeit und werden ohne eigenes Auto in Vauban wohnen. Die Besonderheit: Das System ist flexibel. Bei nachträglicher An- oder Abschaffung eines Autos kann von stellplatzfreiem Wohnen zu autofreiem Wohnen gewechselt werden und umgekehrt.

Um die Attraktivität für autofreies oder stellplatzfreies Wohnen zu erhöhen stellte die Freiburger Auto-Gemeinschaft bereits ab April 1999 zwei und ab Juli 1999 fünf Car-Sharing-Fahrzeuge in Vauban zur Verfügung. Weiter entwickelte sie in Kooperation mit dem Forum Vauban ein "Mobilitätspaket", bei dem die Haushalte in Vauban Car-Sharing, eine Nahverkehrs- und eine BahnCard-Jahreskarte in einem günstigen Einstiegspaket nutzen können. Über 70 von bislang ca. 300 in Vauban wohnenden Haushalten nutzen dieses Paket.

Weitere Aktivitäten hatten die Optimierung der Busanbindung, die Qualität des Radwegenetzes, Transporterleichterungen sowie die Ausgestaltung der Wohnstraßen zum Inhalt.

Energie

Die Freiburger Energie- und Wasserversorgungs AG (FEW, jetzt badenova) ist für die Energieversorgung in Vauban verantwortlich. Sie plant und realisiert ein Nahwärmenetz, an das fast alle Haushalte in Vauban angeschlossen werden. Betrieben werden soll das Wärmenetz ab 2003 mit einem hocheffizienten Blockheizkraftwerk (...).

Die FEW hat gemeinsam mit dem Forum Vauban eine umfangreiche Energieberatung angeboten. Ein großer Erfolg waren die ökologisch wie ökonomisch vorteilhaften Sammelanschlüsse für Baugruppen. Weitere Angebote betrafen die Themen "energiesparende Hausgeräte", "energieeffizientes Bauen" und "Solarenergie". Diese Beratungen wurden von FEW und Forum Vauban durchgeführt.

Die privaten Haushalte konnten mittels zweier Förderprogramme in großem Umfang dazu bewegt werden, die Nutzung von Solarenergie und energieeffizienter Hausgeräte in ihren Bauprojekten zu verwirklichen. Die Solarförderung wurde von der FEW als Ergänzung ihres eigenen Programms durchgeführt, das Programm für energieeffiziente Hausgeräte koordinierte das Forum Vauban.

Eine besonders energieeffiziente Bauform, das Passivhaus, konnte in Vauban mit über 40 Wohneinheiten allein im ersten Bauabschnitt seinen Sprung vom Pilotverfahren zur Serienreife schaffen. Das Forum Vauban erreichte, dass die Stadt Freiburg die Voraussetzungen für den Bau von Passivhäusern im zweiten Bauabschnitt über eine modifizierte Grundstücksparzellierung und -vermarktung noch verbesserte (...).


Das im April 2002 in Betrieb genommene Holz-BHKW

Modellhaus

Die 1997 von Mitgliedern des Forum Vauban gegründete Genova Wohngenossenschaft eG ist Bauherr eines besonderen Bauprojekts mit 36 Mietwohnungen und einer sozialökologischen Konzeption. Eines der zwei Häuser ist das "Modellhaus" im Rahmen des LIFE-Projekts, bei dem exemplarisch soziale und ökologische Maßnahmen in einem kostengünstigen und übertragbaren Konzept umgesetzt wurden. (...)

Das Modellhaus vereinigt ökologische und soziale Maßnahmen: Verbesserter Niedrigenergiestandard mit Dreifachverglasung und verbesserter Dämmung, eine große Solaranlage zur Warmwassererzeugung, Regenwassernutzung mit Zisterne, Dachbegrünung, Böden aus einheimischen Hölzern und PVC- sowie FCKW-freie Bauweise. Außerdem leben 35 der 36 Haushalte autofrei. Soziale Besonderheiten sind: Größtes Mietwohnungsprojekt in Vauban, umfangreiche Mitbestimmung durch die späteren Mieter, Wohnprojekt Jung & Alt, barrierefreie Erschließung mit Aufzug und Laubengängen für 32 der 36 Wohnungen, flexible Grundrisse mit Schalträumen sowie gemeinschaftliche Nutzung von Gästezimmer, Waschküche und Trockenraum, Gemeinschaftshaus und Garten.

Hervorzuheben ist der umfangreiche Mitbestimmungsprozess, der das Projekt prägt. Die intensive Diskussion über umweltgerechtes Bauen führte zu einer stärkeren Umsetzung ökologischer Zusatzmaßnahmen. Da das Bauprojekt trotz des anspruchsvollen Konzepts mit 3.300 DM/m2 Wohnfläche inklusive Grundstück den bislang günstigsten Baupreis bei einem Neubau in Vauban erzielte, ist auch die ökonomische Seite der Nachhaltigkeit erfüllt. Bereits heute orientieren sich Nachahmerprojekte aus dem zweiten Bauabschnitt an dem Konzept der Genova.


die wohngenossenschaft GENOVA 1 projektleitung, verbreitung der ergebnisse

Das Forum Vauban leitete das Projekt und sorgte für die Koordination unter den beteiligten Partnern. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Verbreitung der Ergebnisse. Mit Veranstaltungen, Publikationen und umfangreicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden die Angebote und Ergebnisse für Zielgruppen auf lokaler, überregionaler und internationaler Ebene aufbereitet.

Die wichtigste Veranstaltung war die viertägige Konferenz StadtVisionen, die von ICLEI und dem Forum Vauban im Oktober 1999 in Freiburg veranstaltet wurde. 130 Teilnehmer aus 21 europäischen Ländern diskutierten Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung und neue Formen der Bürgerbeteiligung. Ein Höhepunkt waren dabei die Exkursionen in den Stadtteil Vauban.

Im Laufe des Projekts wurden viele Broschüren und Infoblätter erstellt. Hervorzuheben ist das Handbuch "Nachhaltige Stadtentwicklung beginnt im Quartier". In sieben Kapiteln werden die Themen Bürgerbeteiligung, Bauen / Wohnen / Leben, Natur in der Stadt, Mobilität, Energie, Wasser und Abfall ausführlich dargestellt. Einer theoretischen Aufarbeitung jedes Themas folgen Praxisberichte, wobei die Erfolge und Erfahrungen im Stadtteil Vauban besonders hervorgehoben werden.

Broschüren zu den Themen "Zukunftsfähige Neubauten", "Abfallvermeidung beim Bauen", Einführung ins Bauen mit Holz" sowie "Einladung ins Passivhaus" gaben populärwissenschaftliche Informationen zum ökologischen Bauen. Die Stadtteilzeitschrift Vauban Actuel, die 6 Mal jährlich erscheint, informierte die Bauherren zu vielfältigen Fragen des nachhaltigen Bauens und Wohnens.

Zahlreiche Presseberichte und Artikel in Fachzeitschriften sowie verschiedene Radio- und TV-Berichterstattungen machten Vauban auch über Freiburg hinaus bekannt. (...)

 

Diese Seite ist eine Kopie des Textes "life.shtml" aus der alten Webseite. Um die Intentionen der eigenen Darstellung des Forum Vauban nicht zu verändern, wurde der Text bis hier im Original übernommen.

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