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SUSI's Ökokonzept von 1995

Am 18.7.1996 wurde die SUSI GmbH mit dem "Umweltpreis der Stadt Freiburg", diesjähriges Thema: "CO2- Vermeidung", in Höhe von 2.000 DM ausgezeichnet

Text für den Wettbewerb "Umweltpreis der Stadt Freiburg 1996"

Wir nehmen am Wettbewerb für den Umweltpreis 1996 der Stadt Freiburg teil, nicht weil wir das ökologische Ei des Kolumbus gefunden hätten, sondern weil wir meinen, daß in unserem Projekt in sozialer, aber auch in ökologischer Hinsicht viele kleine Schritte in die richtige Richtung unternommen werden. Einige Maßnahmen sind bereits realisiert und haben sich bewährt, andere sind noch auf dem Weg.

Die Maßnahmen sind nach den Überthemen "Graue Energie", Energieversorgung und Umgang mit Ressourcen geordnet. Noch nicht realisierte Maßnahmen sind als solche gekennzeichnet.

Sämtliche Angaben des CO2-Äquivalents beziehen sich, falls nicht anders angegeben, auf ein Haus (ca. 1500 m2 Wohnfläche) und ein Jahr.

Zur Erklärung: CO2-Äquivalent

Bei der Produktion von Energie, sei es in Form von Wärme, Strom oder chemischer Energie (z.B. Erdöl) werden heute noch viele fossile Energieträger eingesetzt. Auch bei der Urangewinnung und beim Bau der Kraftwerke werden erhebliche Mengen fossiler Energieträger eingesetzt. Das hat zur Folge, daß für jede Energiemenge, die irgendwo verbraucht oder verbaut wird, ein bestimmter Betrag an Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre entweicht. Darüberhinaus fallen andere Emissionen wie Stickoxide, Methan oder Schwefeldioxide an, die ebenfalls zum Treibhauseffekt beitragen. Letztere kann man von ihrer Wirkung her in die Wirkung von CO2 umrechnen. Die Summe dieser Beträge nennt man das CO2-Äquivalent, man gibt ihn im allgemeinen in Kilogramm pro Kilowattstunde (kg/kWh CO2)an. Bei regenerativen Energieformen entsteht das CO2 garnicht erst (z.B. bei Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft) oder entsteht zwar lokal, wird aber an anderer Stelle beim Wachstum der Pflanzen wieder gebunden (z.B. Biogas oder Pflanzenöl, Holz) Wegen dieses geschlossenen Kreislaufs sind die regenerativen Energien "CO2- neutral" und tragen daher nicht zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei.

Hinzugefügt sei, daß beim Verrotten von Biomasse (Pflanzen, die nicht energetisch genutzt werden) genausoviel CO2 wieder an die Atmosphäre gelangt, wie beim Verbrennen. Holz, Pflanzenöl oder Biogas energetisch zu nutzen, ist also ökologisch sinnvoll, obwohl CO2- Emissionen entstehen.

"Graue Energie"

Unter "Grauer Energie" verstehen wir die beim Bau, Abriß oder Umbau aufzuwendende Energie bei der Herstellung, dem Transport und der Förderung der notwendigen Rohstoffe und Bauteile. Sie macht oft erhebliche Beträge aus (z.B. bei Aluminium und Beton). Durch weitreichende Wiederverwertung alter Materialien beim Bau wird diesem Aspekt Rechnung getragen.

Im einzelnen sind dies:

1. Umnutzung statt Abriß

Die bestehenden Kasernengebäude werden zu bezahlbarem Wohnraum für Studierende und sozial Bedürftige umgebaut. Die Bausubstanz von 1938 mit ihren dicken Wänden ist in einer guten Verfassung. Daher ist es sinnvoll und geboten, die Gebäude zu erhalten und umzubauen. Im Vergleich zu einem Neubau nach Abriß wird der Verbrauch großer Energiemengen vermieden.

Neubau eines Gebäudes von der Wohnfläche eines Kasernengebäudes nach Niedrigenergiehaus- Standard heute: ca. 1312 t CO2-Äquivalent

Nicht berücksichtigt bleiben wegen mangelnder Daten dabei die beim Abriß und der Entsorgung anfallenden Energiemengen.

Nach Umbau durch SUSI: ca. 32,4 t CO2-Äquivalent

2. Recycling und Wiederverwertung

In vielen Bereichen des Baus werden noch verwertbare alte Bauteile, wie z.B. Wasserrohre und teilweise Elektrokabel aufgearbeitet und wiederverwendet. Auch werden die Hälfte der alten Fenster komplett neu überarbeitet (abgelaugt). In der Regel werden die Heizkörper weiterverwendet oder gebrauchte angeschafft.

Etwa die Hälfte der Fenster werden durch neue, Wärmeschutzfenster, ersetzt. Die andere Hälfte wird überarbeitet. Der Energieeinsatz dafür ist relativ gering.

Zu einem späteren Zeitpunkt (in etwa zehn Jahren) rechnen wir mit einem Austausch der jetzt noch einmal aufgearbeiteten Fenster. Vermutlich ist bis dahin die Technik noch weiter fortgeschritten, weswegen wir uns dann bessere Einsparmöglichkeiten als heute erhoffen. Die heutige Passivhaustechnik ist u.a. nur möglich geworden, weil erheblich bessere Fenster hergestellt werden können.

Energieaufwand für den Betrieb aller aufgearbeiteter Fenster eines Hauses pro Jahr: 2,2 t CO2-Äquivalent

Für alle neuen Fenster: 1,3 t CO2-Äquivalent

3. Bauen mit Holz statt Metall und Glas

In Holz und Lehm, zwei natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen ist weit weniger Energie gebunden als in der äquivalenten Menge an Stahl, Glas und Beton, abgesehen davon ist deren Verarbeitung weniger gesundheitsschädlich. Im Falle von Holz handelt es sich um Sonnenenergie, bis auf den Transport und die Verarbeitung. Die Herstellung sowohl von Stahl als auch von Glas ist dagegen nicht ohne massiven Energieeinsatz und heute noch nicht ohne Einsatz fossiler oder atomarer Energiequellen möglich.

CO2-Äquivalente verschiedener Baumaterialien, berechnet laut GEMIS- Programm des Öko- Institut Freiburg:

0,351 kg CO2/kg Mauerziegel
0,350 kg CO2/kg Isofloc
0,392 kg CO2/kg Beton
0,473 kg CO2/kg Holz
2,019 kg CO2/kg Polyethylen
2,458 kg CO2/kg Stahl
9,246 kg CO2/kg Kupfer
33,983 kg CO2/kg Aluminium

Energieversorgung

Wärme

Wärme ist die Energieart mit dem geringsten "Wert", da man aus ihr nur bei hohen Temperaturen und unter hohen Verlusten die anderen Energiearten (Strom, chemische Energie, mechanische Energie) herstellen kann, während man umgekehrt aus Strom mit einem Wirkungsgrad von 100% Wärme herstellen kann. Es geht also darum, Wärme überlegt einzusetzen, und Verluste durch ineffektive Steuerungen und Mischungsverluste zu vermeiden.

4. Einsatz von Kraft- Wärme- Koppelung

Wir haben ein pflanzenölbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) installiert, das im Sommer allein die Warmwasserbereitung der vier Häuser übernimmt. Durch die bestehenden Wärmespeicher in den vier Häusern können wir zu Stromspitzenzeiten Strom produzieren und für die abendliche Verbrauchsspitze beim Warmwasser die Wärme speichern.

Dadurch können wir im Sommer die überdimensionierten alten Gaskessel (dreimal 1,3 MW) abschalten, die ansonsten mit Stillstandsverlusten von ca. 300 kWh pro Tag zu Buche schlagen würden.

Unser BHKW hat 50kW elektrische Spitzenleistung und dabei 90kW thermische Leistung. Pro Jahr und Haus ergeben sich ca. 180 t CO2-Äquivalent

5. Wärmedämmung

Die Dachstühle zweier der vier Häuser wurden bereits mit "Isofloc" (Altpapierflocken) bzw. Kork gedämmt. Die Isolierung der restlichen Dächer wird folgen.

Außer dem energetischen Aspekt ist zu beachten, daß hier Altpapier einer sinnvollen Wiederverwendung zugeführt wird.

Die Dachgauben werden extra wärmegedämmt, hier kommen wegen des schlechten Zustands der alten Fenster neue Wärmeschutzfenster zum Einsatz.

Einsparung durch die Dachdämmung (bei Gasheizung) pro Haus und Jahr ca. 40,0 t CO2-Äquivalent

Demgegenüber erzeugt der (einmalige) Aufwand für den Einsatz von Isofloc und Dachlatten ca. 2 t CO2-Äquivalent

Es ist für alle Häuser eine Außenwanddämmung geplant, deswegen werden die Häuch zunäicht gestrichen. Diese Ausgaben können aber erst gemacht werden, wenn die bisherigen Kredite und Baumaßnahmen bezahlt sind oder weiteres Kapital zur Verfügung steht.

Einsparung durch die Außendämmung pro Haus und Jahr ca. 38,9 t CO2-Äquivalent

6. Nebenkostenneutrale Energieeffizienzmaßnahmen

Dieses Wortungetüm bezeichnet ein Verfahren, das zunehmend auch in der Wirtschaft Anwendung findet, so z.B. bei der FEW. Die FEW verschenkt Energiesparlampen und erhöht die Strompreise geringfügig. Mit den Mehreinnahmen werden die Energiesparlampen und andere Maßnahmen bezahlt, andererseits sinkt die Stromrechnung der meisten Verbraucher (sofern sie die Lampen einsetzen). Der "Gewinn" aus der Investition kommt beiden "Parteien" zugute.

Nach gleichem Ansatz entwickeln wir zur Zeit einen Modus der Nebenkostenabrechnung, aus der z.B. eine Außendämmung der Häuser bezahlt werden könnte. Immerhin werden [VDI 1995] 77% der im Haushalt aufgewandten Energie heute noch zum Heizen verwendet.

7. Solare Warmwasserbereitung

Beginnend mit dem am weitesten von der Heizzentrale entfernten Haus soll möglichst noch 1996 eine Anlage zur solaren Brauchwassererw&aul;rmung montiert werden. Es wird ein solarer Deckungsgrad von jährlich ca. 50% erwartet. Mit der Maßnahme wurde nur deshalb noch nicht begonnen, weil wir noch Fördergelder beantragen und sich der Schriftwechsel etwas hinzieht.

Pro Haus und Jahr ca. 5,1 t CO2-Äquivalent

8. Optimierung der Steuerung

Die französischen Streitkräfte betrieben das Nahwärmenetz, welches bereits 1938 installiert und 1990 komplett renoviert wurde, leider sehr ineffektiv. Mit dem Einsatz von "intelligenten" Steuerungen in Form von Miniaturcomputern läßt sich sich das Nahwärmenetz im Sommer bis auf eine oder zwei Stunden abschalten. Man spart damit die Wärmeverluste durch die langen Leitungen, die Verluste durch die Speicher in jedem Haus sind relativ dazu geringer. Die Speicher lassen sich zudem zusätzlich isolieren.

Wir sind im Moment dabei, die Programme für diese Steuerungen zu entwickeln. Es wird dann etwa ab Ende Oktober möglich sein, die Heizung und Warmwasserbereitung sowie die Stromproduktion zentral zu steuern, sodaß wir die durch das BHKW produzierte Wärme optimal und bedarfsgerecht verteilen können.

Im Idealfall erzeugen im Sommer die Sonnenkollektoren genügend warmes Wasser für zwei Tage und nur noch der wirklich benötigte Rest in der Übergangszeit muß bereitgestellt werden.

Wir experimentieren mit der zeitweisen Abschaltung der Zirkulationspumpen, auch tagsüber.

Mit dem Umbau der Warmwasserbereitung machen wir die Anlage legionellensicher nach DVGW W551/552 und verbessern die Qualität des Trinkwassers, das vorher durch rostige Speicher geflossen war.

9. Brennwerttechnik

Die vorhandenen und erst 6 Jahre alten Gaskessel wollen wir nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer nacheinander durch regenerative Energiequellen (Holzhackschnitzelfeuerung) ersetzen. Zunächst aber werden sie uns noch einige Jahre erhalten bleiben, weshalb wir planen, an einem der drei Kessel eine Nachschaltfläche einzusetzen, womit zusätzlich die Abgaswärme genutzt werden kann. Wir verwandeln also einen herkömmlichen Gaskessel in einen Brennwertkessel, eine erprobte Technik, die auch vom Studentenwerk mit Erfolg angewandt wird.

Einsparung ca. 9%, pro Haus und Jahr: ca. 4 t CO2-Äquivalent

Strom

10. Optimierung der Heizungspumpen

Die bisherigen Heizungs- und Warmwasserpumpen liefen im wesentlichen den ganzen Tag. Eine "intelligente" Steuerung ermöglicht das zentrale zeitweise Abschalten bestimmter Pumpen. Es wurden schwächere und elektronisch geregelte Pumpen eingebaut. 8,0 t CO2-Äquivalent

11. Substitution von Strom

Der Ersatz von Strom durch Wärme ist nicht nur ein ökologisches Gebot, sondern lohnt sich auch finanziell. Die Kilowattstunde Wärme aus Strom kostet ca. 39 Pfennig, während die gleiche Menge an Wärme aus Gas oder einem Rapsöl- BHKW mit etwa 10 Pfennig anzusetzen ist. Die Produktion von Strom ist in konventionellen Kraftwerken (wozu auch die Atomkraft zu zählen ist) ist mit hohen Verlusten behaftet, da die in Großkraftwerken entstehende unvermeidbare Abwärme meist nicht genutzt wird.

12. Warmwasseranschluß für Waschmaschinen

Für die in jedem Haus vorhandenen Gemeinschaftswaschmaschinen sind bereits Warmwasseranschlüsse gelegt. Es wird über eine Installation nachgedacht, wie man die bestehenden, modernen Waschmaschinen nachrüsten kann, sodaß der Verbraucher nichts von der eingesetzten Technik merkt. Vorhandene Geräte zur Nachrüstung der Maschinen sowie bereits mit Warmwasseranschluß versehene Geräte erscheinen uns zu teuer und / oder nicht bedienungsfreundlich genug. Auch hier erwägen wir eine Eigenentwicklung. 579 kg CO2-Äquivalent

13. Verbot von Elektroheizungen und -herden

Wer bei SUSI einzieht, unterschreibt im Mietvertrag ein Verbot von elektrischen Heizöfen. Elektroherde sind gleichermaßen untersagt. Es existiert bereits ein Flaschentauschsystem mit einer zentralen Belieferung und SUSI stellt in allen Wohnungen Flaschengasherde zur Verfügung.

14. Energiesparlampen

Gleich zu Beginn des Projekts wurden an alle Wohngemeinschaften gespendete oder von SUSI finanzierte Energiesparlampen verschenkt. 2,4 t CO2-Äquivalent

15. Einsatz von Kraft- Wärme- Koppelung

Der Einsatz eines Blockheizkraftwerkes zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme ist auch ein positiver Aspekt auf der Stromseite, deswegen sei er hier nochmals erwähnt.

16. Energieberatung und Messung des Stromverbrauchs

Für die BewohnerInnen von SUSI stehen Energiemeßgeräte zur Verfügung, mit denen man den Verbrauch der eigenen elektrischen Geräte selbst ermitteln kann. Für alle Bereiche des ökologischen Wirtschaftens wird darüberhinaus eine detaillierte, kostenlose Beratung angeboten und in Anspruch genommen.

Umgang mit Ressourcen

Der Umgang mit Ressourcen ist zwar vor allem auf dem Gebiet der Energiegewinnung ein Thema, es gibt jedoch Aspekte, die darüber hinausgehen und deshalb losgelöst davon zu betrachten sind:

17. Zentrale Kompostierung

Für jedes Haus gibt es eine Kompoststelle, die seit langem dank der positiven Einstellung der NutzerInnen gut funktioniert.

18. Regenwassernutzung

In jedem Haus gibt es (im Endausbau) einen extra Regenwasserkreislauf, mit dem alle Toiletten versorgt werden. Pro Haus und Tag werden damit etwa 2 cbm Leitungswasser gespart. Der Kanalisation wird so auch einiges Oberflächenwasser entzogen, das in der Kläranlage Kosten verursacht, da es auf dem Weg dorthin mit schmutzigem Wasser vermischt wird und dann geklärt werden muß. Die FEW hat weit höhere Kosten für ihren Pumpenstrom als unsere Regenwasseranlagen: Pumpenstrom FEW ca. 0,75 kWh/cbm SUSI- Regenwasser ca. 0,083 kWh/cbm also (allein für den Strom!) 295 kg CO2-Äquivalent

19. Einsatz von Pflanzenöl

Die Vorteile der Kraft- Wärme- Koppelung sind schon in den vorangegangenen Kapiteln erschöpfend behandelt worden. Hier sei nur noch einmal hervorgehoben, daß in einem BHKW mit Pflanzenöl nicht nur die eingesetzte Energie optimal genutzt wird, sondern sich auch ein ökologischer Kreislauf schließt:

Zwar entstehen lokale Emissionen von CO2 bei der Verbrennung von Rapsöl, derselbe Betrag wird jedoch beim Anbauen der Pflanzen in den Pflanzen in Form von Biomasse (Öl) gebunden. Unsere befreundeten Bauern im Schwarzwald-Baar-Kreis bauen für uns Raps, Leinsamen und Sonnenblumen an und pressen selbst daraus Öl; der Transportweg und damit die Transportenergie ist also denkbar gering.

20. Einsatz von natürlichen Materialien

Auch die Gesundheit ist ein Rohstoff, den wir schonend behandeln sollten.

Wir verwenden seit Ende 1995 keine PVC- Kabel mehr und vermeiden PVC und energieintensive Kunststoffe, wo immer möglich. Der Bau von Lehmwänden geht ohne tzende Stoffe (Kalkzement) vor sich. Der Einbau von Holzböden, behandelt mit natürlichen Ölen, erspart uns Belastungen durch Lösungsmittel. In den Räumen soll nicht mehr mit Glas- oder Mineralwolle gedämmt werden, da auch hier Gefahren lauern. Stattdessen wird Jute und Schafwolle (Doschawoll) verwendet.

Lehmwände tragen zu einem günstigen Raumklima und weniger chemischer Belastungen bei der Verarbeitung und beim Wohnen bei. Die Grundierung des Lehmputzes erfolgt mit Wasserglas (Natriumsilikat), einem Stoff, der auch bei der Lebensmittelherstellung verwendet wird (wurde).

Verkehr und Arbeit

21. Wohnen und Arbeiten

SUSI schafft bezahlbaren Wohnraum, aber auch Arbeitsplätze. In den Hochzeiten der Beschäftigung, die wegen der umfangreichen Arbeiten an Haus A schon vorbei ist, waren bei SUSI 80 Personen beschäftigt.

Mit wenigen Ausnahmen werden Arbeitsverträge maximal über 20 Wochenstunden geschlossen. Die vorhandene Arbeit soll lieber auf mehrere Personen verteilt werden, das ist unser Weg, der Arbeitslosigkeit zu begegnen.

Für die Versorgung der SUSIanerInnen gibt es eine kleine Lebensmittel- Kooperative. Auch der Weg zur Freizeit oder Arbeit wird kürzer: Es gibt eine gemeinschaftliche Töpferei, eine Bibliothek, eine Fahrrad- und eine Elektronikwerkstatt. Für den Bau wurde auch eine Schreinerei eingerichtet.

22. Wenig Platz für Autos

Nach Abschluß der Bautätigkeit sollen so wenig Autostellplätze wie möglich übrigbleiben. Teile des Asphalts werden für einen Kinderspielplatz entfernt.

Wenn man das Auto "verbietet", muß man Alternativen aufzeigen. In einem "Mobilitätsbüro" (Arbeitstitel) ist geplant, verschiedene Dienste per Computer anzubieten, so z.B. einen Fahrplanservice, eine Autogemeinschaft und einen Fahrrad- / Anhängerverleih.

23. Mut zur Muße

Auch die Arbeitskraft ist eine Ressource, die nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Zwar sprechen die Zahlen von 4 Millionen Arbeitslosen eine andere Sprache, doch auch die Qualität des Arbeitsklimas und der Motivation bei der Arbeit spielen eine Rolle. Der Zwang, sich zu profilieren, entfällt, wo es keinen Chef gibt.

24. Flexible Arbeitszeit

Bei der SUSI GmbH übernimmt jeder und jede die Zeiteinteilung selbst und stimmt sich mit den Kollegen ab. Wer auch mal Zeit für etwas anderes hat als die Arbeit, macht vielleicht auch weniger aufwendige Reisen. Durch den Flugverkehr werfen viele Bürger, die sich sonst umweltbewußt verhalten, ahnungslos ein Mehrfaches der vielleicht mühsam gesparten Energie wieder zum Flugzeugfenster hinaus.

  1. Selbstorganisation

    Wurde der Begriff der Selbstorganisation in den Sechzigern auch viel diskutiert und oft zerredet, bei uns ist er auf pragmatische Weise Realität geworden.

    SUSI ist kein Ausbildungsbetrieb, aber wir alle möchten die Fähigkeiten, die wir hier gelernt haben, nicht missen. Manchem machen die eigenen Erfahrungen Mut auf dem Weg zur betrieblichen Selbständigkeit.

  2. Arbeit statt Materialkosten

Es gibt bei SUSI einen Grundsatz, der besagt, lieber mehr Arbeitskraft einzusetzen als hohe Materialkosten zu verursachen. Durch unseren vergleichsweise niedrigen Einheitslohn von DM 14,50 netto, vor Steuer, können wir es uns auch leisten, eventuell entstandene Fehler am Bau zu korrigieren, ohne gleich das Finanzbudget zu sprengen.

Ausblick

Mit unserem Versuch, ein ökologisches Konzept zu entwerfen und zu realisieren, stoßen wir natürlich noch auf einige offene Fragen:

Die FEW hat in den vergangenen Jahren einige Schritte in eine ökologisch bewußtere Zukunft getan: Wir begrüßen zum Beispiel die Einführung des linearen, zeitvariablen Stromtarifs und die Energiesparlampenaktion.

Leider gilt der zeitvariable Tarif nicht auch für die Einspeisung von Strom ins Netz der FEW. Wir beziehen zur Spitzenzeit den Strom für 58 Pfennige, bekommen aber nur 15 Pfennige, wenn wir zur selben Zeit Strom einspeisen. Das ist nicht rentabel und es kann nicht ökologisch sinnvoll sein, unser BHKW deswegen bei "Überproduktion" abzuschalten. Hier sehen wir Bedarf für eine Änderung.

Die Stadtverwaltung engagiert sich zunehmend in ökorelevanten Projekten. Das ist zweifellos zu begrüßen, aber man scheint nicht nachzurechnen, wieviel Geld und Energie beim Abriß der bestehenden Gebäude und beim anschließenden Neubau unnötig aufgewendet werden muß.

Das Studentenwerk und SUSI, sowie bereits viele ähnliche Projekte bundesweit beweisen, daß es sinnvolle und kostengünstige Umnutzungskonzepte für Kasernengebäude gibt, die Stadt Tübingen macht es vor.

Anhang: Rechenblatt

Allen Rechnungen wird, wenn nicht anders angegeben, immer ein ehemaliges Kasernengebäude zugrundegelegt, der Betrachtungszeitraum ist ein Jahr.

Einen Teil des folgenden Datenmaterials haben wir der Diplomarbeit von Helwig Falk entnommen: "Energiebedarf, Schadstoff- Emissionen und Bau- und Betriebskosten von Wohnhäusern bei Variation von Energiesparmaßnahmen", in Zusammenarbeit mit dem Öko- Institut, Darmstadt 1995.

Wir empfehlen ferner zur Lektüre: "Alle müssen handeln! - Was jeder gegen den Treibhauseffekt tun kann" - Broschüre des "Verband kommunaler Unternehmen e.V., Köln / zu beziehen durch die FEW

Allgemeine Werte:

CO2-Äquivalent von Gaswärme: 275 g CO2/kWh CO2-Äquivalent von Strom: 738 g CO2/kWh

(Nicht nur beim Betrieb der Kraftwerke, sondern auch zur Förderung der Rohstoffe wird Energie aufgewendet).

Zu 1.1.:

Neubau von 264 m2 Nutzfläche eines Niedrigenergiehauses = 183,25 t CO2; mal Formfaktor 0,7 (kompaktere Bauweise größerer Einheiten) ergibt für 2.700 m2 Nutzfläche

= 1312 t CO2-Äquivalent.

Umbau:

CO2-Aufwendungen für

55 m2 Fenster: 0,1 t
5 t Holz: 2,4 t
8,8 t Isofloc: 2 t
1,1 t Dachlatten: 0,5 t
60 t Lehmziegel: 4,2 t
24,6 t Innenputz u.a.: 5,2 t
2 t Polyethylen: 3,9 t
1,3 t Kupfer: 12,1 t
820 kg Stahl: 2 t

= zusammen 32,4 t CO2 -Äquivalent.

Zu 1.2.:

50% von 93 alten Fenstern ersetzen (93 m2)

= 104 kg CO2-Äquivalent.

50 % von 93 alten Fenstern aufarbeiten: geschätzt 20% des neuen Fensters

= 20,8 kg CO2-Äquivalent.

k- Wert altes Fenster 2,5 W/m2K * 93 m2 * 3.367 Kd Heizgradtage * 24 h * 0,275 kg CO2/kWh (Gasheizung)

= 5,2 t CO2-Äquivalent pro Haus und Jahr

k- Wert neues Fenster 1,5 W/m2K ...

= 3,1 t CO2-Äquivalent pro Haus und Jahr

Zu 1.3.:

Aus der Diplomarbeit von Helwig Falk

Zu 2.1.1.

Betriebsstunden BHKW pro Jahr: 4.000 h * mittl. Last = 200 MWh Wärme, 120 MWh Strom. Wärme eingespart in CO2-Äquivalenten: 55 t plus Elektrizität eingespart in CO2-Äquivalenten: 89 t

= Summe 144 t.

Zu beachten ist, daß bei laufendem BHKW die CO2- Bilanz der anderen Maßnahmen eigentlich "schlechter" ausfallen müßte, da das BHKW (fast) CO2- neutral arbeitet. Die Einsparung durch Wechsel des Brennstoffes darf natürlich in einer Gesamtbetrachtung nicht zweimal berechnet werden. In dieser Arbeit berechnen wir die Einsparungen getrennt, um sie mit Maßnahmen ohne Einsatz von Kraft- Wärme- Koppelung vergleichbar zu machen, nicht um eine Summenbilanz zu berechnen.

Zu 2.1.2.:

Dachdämmung

4,4 t Isofloc: 1,54 t und 1,1t Holz: 530 kg

= 2,1 t CO2-Äquivalent

k-Wert ohne Dämmung ca. 2,0 W/m2K * 500 m2 * 3.367 Kd Heizgradtage * 24 h * 0,275 kg CO2/kWh (Gasheizung)

= 22,2 t CO2-Äquivalent.

k-Wert mit Dämmung ca. 0,2 W/m2K ...

= 2,2 t CO2-Äquivalent.

Außenwanddämmung

k-Wert ohne Dämmung ca. 1,5 W/m2K * 700 m2 * 3.367 Kd Heizgradtage * 24 h * 0,275 kg CO2/kWh (Gasheizung)

= 23,4 t CO2-Äquivalent.

k-Wert mit Dämmung ca. 0,25 W/m2K ...

= 3,9 t CO2-Äquivalent.

Zu 2.1.4.:

Pro Haus und Jahr: 37 MWh benötigt für Warmwasser (gemessen) * 50% Solarertrag * 0,275 kg CO2 (Ersatz von Gas)

= 5,1 t CO2-Äquivalent.

Zu 2.1.6.:

Gasverbrauch pro m2 Wohnfläche und Jahr (gemessen) ca. 70 kWh/m2a, incl. Warmwasser = 90 kWh/m2a = 162 MWh, davon 9% durch Nachschaltfläche rückgewinnbar = 14,6 MWh

= 34,0 t CO2-Äquivalent.

Zu 2.2.1.:

Stromverbrauch der Heizungspumpen vor Umbau pro Haus und Jahr : 12,35 MWh, nachher 1,56 MWh. Einsparung (* 0,738 kg CO2/kWh Strom)

= 8 t CO2-Äquivalent

Zu 2.2.2.1.:

Waschgänge pro Haus und Jahr: ca. 2.500 * 0,5 kWh mittlerer Ersatz von Elektrowärme pro Waschgang * (0,738 - 0,275)kg CO2/kWh

= 579 kg CO2-Äquivalent.

Zu 2.2.3.:

12 Wohnungen pro Haus, 5 zusätzliche Energiesparlampe * 49 W Einsparung * 3 h Betrieb pro Tag = 3,2 MWh * 0,738 kg CO2/kWh = 2,4 t CO2-Äquivalent.

Zu 3.2.:

Pro Haus und Jahr ca. 750 m3 Wasserverbrauch für Toilettenspülung, davon 600 m3 durch eigene Regenwasserproduktion.

Pumpenstrom FEW 0,75 kWh/m3 * 600 m3 = 450 kWh/a, SUSI ca. 50 kWh/a, Einsparung (nur Strom)

= 295 kg CO2-Äquivalent.

Andreas Delleske, 19.6.1996

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