• Pippi Langstrumpf
    Pippi Langstrumpf
  • Grünfläche Nordwest
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  • Einräder auf der Vaubanallee
    Einräder auf der Vaubanallee
  • Marktplatz vor Haus 037
    Marktplatz vor Haus 037
  • Solarsiedlung
    Solarsiedlung
  • Winter in der Gropiusstrasse
    Winter in der Gropiusstrasse

Das Plusenergiehaus

Die Solarsiedlung östlich der Merzhauser Strasse ist ganz sicher eines der wichtigsten ökologischen Projekte. Seine Wirkung strahlt weit über Freiburg hinaus. Sie hat eine besondere Geschichte:

Wie anderswo erklärt, verdankt Freiburg seinen Ruf einer "Umwelthauptstadt" ursprünglich ironischerweise der Atomkraft, genauer: Unter der Regierung Filbinger (CDU) sollte direkt am Kaiserstuhl ab etwa 1972 eines der ersten Atomkraftwerke entstehen: Das AKW Wyhl. Anders als in anderen Regionen regte sich aber ein starker Widerstand, der mit der Zeit immer stärker wurde. Freiburg war damals eher ein konservatives, aber hübsches Städtchen in der Provinz als alles andere.

Die Weinbauern der Region hatten ganz zu Anfang weniger Bedenken über das allgemeine Risiko der Atomkraft - vermutlich war man zu Anfang mehrheitlich damit einverstanden, "den Müll einfach ins Meer zu werfen" - wie es zumindest England und Frankreich auch lange Zeit taten. Manche Weinbauern fürchteten, dass die fast alle großen Kraftwerke begleitenden Kühltürme könnten so starke Bewölkung erzeugen, dass dies den Profit schmälern würde. Damals gab es noch keine grüne Partei und so standen sich mehrheitlich konservative Bauern einer konservativen Landesregierung gegenüber - einer konservativen Regierung, die erst nach 58 Jahren durch eine grün-rote abgelöst wurde.

Während des Protests begannen sich nicht nur die Bauern, sondern auch der Rest der Gesellschaft das erste mal intensiver mit der Energiefrage auseinanderzusetzen. Dort erst wurde langsam deutlich, dass Atomstrom zwar einen günstigen Preis versprach (die Sicherheitsfragen waren noch kaum aufgeworfen und daher nicht in die Rechnung eingeflossen) aber mit einem für ewig strahlenden Müll und einem nicht zu unterschätzenden Betriebs- und Gesundheitsrisiko verbunden ist.

In der Aufklärung der Bevölkerung unschätzbar verdient gemacht hat sich das Öko-Institut, lange Zeit zusammen mit dem Wuppertal-Institut die einzige Instanz, vielleicht weltweit, die auf wissenschaftliche Weise Fakten pro und contra der verschiedenen Energiesysteme gegeneinander verglich. Es stellte sich bald heraus, das die Risiken der Atomkraft die Chancen deutlich aufwogen. In diesem Masse wurde der Protest stärker und stärker.

Auftritt Rolf Disch

Unter den Protestierenden befand sich auch ein junger Mann, der damals Maurer und Zimmermann war und der vielleicht noch nicht ahnen solte dass er einmal ein wichtiger Visionär und Architekt im Bereich des ökologischen und energieefizienten Bauens werden sollte. Rolf Disch bewegte die Diskussion um Energieeffizienz, Energieverschwendung, Atomkrat und die Probleme der fossilen Energiequellen so sehr, dass er entschied, Architekt zu werden und zu zeigen, dass es auch anders geht.

Seither - über einen Zeitraum von über 25 Jahren - hatt der Architekt Rolf Disch Schritt für Schritt ein ökologisch interessantes oder sigar wegweisendes Projekt nach dem anderen geplant und oft auch durchgeführt. So sei stellvertretend Anstrengungen im Holzbau genannt (der spätestens im Aufbruch der Nachkriegsjahre aus der Mode gekommen war)- vor allem aber der schon sensationell zu nennende bau des sogenannten "Heliotrophauses" - ein drehbar auf einem Fuss gelagerte Haus das sich nach der Sonne dreht, um vor allem im Winter so viel wie möglich an passiver Sonnenenergie einzufangen. Es wurde 1994 gebaut und zieht auch heute noch Besucherströme aus aller Welt an.

Nach dem "Hliotrop" machte sich Herr Disch und sein Architekturbüro an die Verwirklichung eines der größten und frotschrittlichsten Wohnsiedlungen der Zeit: Die Solarsiedlung. Die Idee - wegweisend und fortschritlich wie einleuchtend, war die Kombination aus im wesentlichen drei Konzepten:

  • Alle Häuser haben Dächer, die zu über 100% mit Solarstrommodulen bedeckt ist. Darüber wird eine erhebliche Überprodukton an Strom gewonnen. Seit dem Jahr 2000 wird wegen der besonderen Fördersituation aller Solarstrom direkt ins Netz eingespeist.
  • Die Häuser sind Passivhäuser, das bedeutet sie verbrauchen wegen ihrer sehr guten Isolation, dreifach verglasten Fenstern, ihrer Ausrichtung nach Süden und einer ausgeklügelten Lüftunsanlage nur knapp 10% der Heizwärme eines normalen Neubaus.
  • Die Häuser sind aus Holz, denn auch beim Bau eines Hauses wird schon viel fossle Energie aufgewendet; oft auch verschwendet.

Natürlich brauchen die Plusenergiehäuser im Winter immer noch etwas Heizwärme und das ganze Jahr über Wärme für die Warmwasserbereitung. Diese kommt aber zum Glück von einem Nahwärmekraftwerk im Stadtteil, das seine Energie zum Teil aus Holzhackschnitzeln (erneuerbar) und effizienter Kraft-Wärme-Kopplung bezieht. Die Summe des Energieverbrauchs von Heizwärme, Wärme für die Warmwasserbereitung und Stromverbrauch im Haus ist geringer als der Energieertrag durch die Solaranlagen (vor allem wenn man in Primärenergieeinheiten rechnet!) sodass Herr Disch recht hat, wenn er darauf hinweist, dass diese Siedlung zum ersten Mal mehr Energie vor ort produziert als vor Ort zum Wohnen benötigt wird.

 

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