• Solarsiedlung
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  • Winter in der Gropiusstrasse
    Winter in der Gropiusstrasse
  • Marktplatz vor Haus 037
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  • Pippi Langstrumpf
    Pippi Langstrumpf
  • Einräder auf der Vaubanallee
    Einräder auf der Vaubanallee
  • Grünfläche Nordwest
    Grünfläche Nordwest

1. Zusammenfassung

Der Stadtteil Vauban ist ein Beispiel dafür, dass die Chancen für die Politiker gar nicht so schlecht stehen, mit klaren Regeln, die individuell beeinflussbar sind - z.B. Umzug in einen Stadtteil mit der wählbaren Option stellplatzfreies oder autofreies Wohnen - vom Automobilismus wegzukommen. Die Chancen scheinen jedenfalls größer zu sein als die meisten Politiker glauben. Die Entscheidung für das Verkehrskonzept Vauban fiel auch in  Freiburg sehr knapp aus. Und auch nach der Entscheidung hörte man noch lange, "das funktioniert doch sowieso nicht".

Was lässt sich aus Vauban lernen? Luftbild einer typischen Wohnstraße auf Vauban

Bild 1: Luftbild einer typischen Wohnstraße auf Vauban

Inzwischen ist klar, es funktioniert. Die Ergebnisse der im Rahmen der vorliegenden Studie machen es deutlich:

  • In Vauban wurde ein lebenswertes und familienfreundliches Wohnumfeld geschaffen. Ein Ergebnis lässt sich unmittelbar in Vauban wahrnehmen: das Straßenbild auf Vauban ist geprägt von spielenden Kindern.
  • Dies konnte nur erreicht werden, weil der Motorisierungsgrad in Vauban bei lediglich 150 PKW / 1.000 Einwohner (bei ca. 3.300 Einwohnern im Frühjahr 2003) liegt.
  • Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern von Vauban handelt es sich nicht etwa überwiegend um solche Familien, die schon seit langem kein Auto besitzen. Von den Befragten ohne Auto gaben 57% an, dass sie Ihr Auto erst mit dem Einzug in Vauban abgeschafft haben, sowie weitere 16% innerhalb der letzten 5 Jahr vor dem Einzug. Damit hat bei den meisten BewohnerInnen mit bzw. kurz vor dem Einzug in Vauban eine einschneidende Änderung des Mobilitätsverhaltens stattgefunden! Der Ansatz, autofreie Haushalte aktiv zu fördern (u.a. durch finanzielle Entlastung), bewährt sich!
  • Das Car-Sharing-Angebot wird überdurchschnittlich gut angenommen (in 39% der befragten Haushalte sind eine oder mehrere Personen Nutzer dieses Angebots). Auf ca. 350-400 autofreie Haushalte auf Vauban kommen heute 12 Car-Sharing-Autos.
  • 81% der befragten autofreien Haushalte geben auf einer fünfstufigen Skala an, dass ihnen die Organisation des Alltags ohne eigenen Pkw sehr leicht oder leicht fällt.

Es funktioniert!

Insgesamt liegen die Schwierigkeiten eher im Detail. So gibt es bisher z.B. noch keine geeignete Lenkung für Besucher, die mit dem Auto anreisen. Die vergleichsweise wenigen öffentlichen Stellplätze sind in den Zeiten (nachts), zu denen Sie nicht bewirtschaftet werden, oft von Bewohnern belegt. Probleme bereitet das Verkehrskonzept vor allem den Bewohnern mit Pkw. Gar keine Schwierigkeiten unter den Autobesitzern haben nur etwa 12%. Als ein wesentlicher Grund für Schwierigkeiten wird der weite Weg zur Parkgarage genannt. Hier liegen deutliche Verbesserungspotentiale für zukünftige Projekte im Bau von kleineren, näher gelegenen automatischen Parkgaragen. Ein solches Konzept war den damaligen politischen Entscheidungsträgern zu unerprobt.

Schwierigkeiten im Detail

Das vorliegende Projekt "Umsetzungsbegleitung des Verkehrskonzeptes Vauban" konnte im Projektzeitraum von den zahlreichen entwickelten Verbesserungsvorschlägen bisher nur wenige umsetzen. Abhilfe konnte z.B. geschaffen werden durch Information von Mietern, die bisher zu wenig über das Verkehrskonzept Vauban informiert waren. Andere Maßnahmen, wie z.B. die Ausweisung von öffentlichen Stellplätzen für Car-Sharing Autos, benötigen zur Umsetzung längere Vorlaufzeiten (vgl. Kapitel 8.1.1 und 8.1.5).

Angesichts der enorm hohen Fahrradnutzung durch die Bewohnerinnen und Bewohner sind Verbesserungen wichtig wie z.B. die Mitnahme von Fahrrädern in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Beseitigung konkreter Mängel an den Fahrradstrecken von und nach sowie in Vauban etc..

Darüber hinaus kann auch noch vieles getan werden, um für Familien und in einigen Jahren für die vielen Jugendlichen auf Vauban ein spezielles Mobilitätsangebot

Umsetzungsbegleitung

Vauban zeigt, dass die Beteiligung der Bürger nicht ein hinzunehmendes Übel, sondern eine ernstzunehmende und notwendige Bedingung für eine Verkehrspolitik ist, die den Automobilimus einschränken will. Es zeigt aber noch mehr, nämlich wie wichtig ein Intermediär (Forum Vauban e.V.) und eine fachliche Begleitung (ausreichende und ausgewogene Information aller) im Rahmen einer Bürgerbeteiligung sind. Nur so können im Zweifel aus "blockierenden Planungsopfern" mitdenkende Planungspartner werden.

Dies wiederum ist u.E. eine Bedingung dafür, dass überhaupt verkehrspolitische Optionen ins Auge gefasst werden können, die nicht dem Prinzip des geringsten Widerstands folgen müssen, sondern der Zeit zunächst voraus zu eilen scheinen.

Ein Politikverständnis, das weniger bestimmen, als vielmehr moderieren und motivieren will, kommt dem sicher entgegen.

Ein wesentlicher Ansatz liegt dabei bei einem Umbau unserer Städte zu Städten bzw. Stadtteilen der kurzen Wege. Ergänzend dazu gehören natürlich auch altbewährte Maßnahmen und Bemühungen, wie z.B. die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsnetzes. Sie reichen aber nicht aus. Vor allem gilt es, die Abhängigkeiten von Randsiedlungen und Zentren abzubauen.

Bürgerbeteiligung

Eine ganz auf den Autoverzicht gerichtete Verkehrspolitik ist bisher gescheitert, dazu ist der Pkw zu sehr in unsere Lebenswelt eingebunden. Ebenso ist in der Vergangenheit jeder Ansatz gescheitert, der, z.B. durch höhere Benzinpreise, allein den Verbraucher in die Pflicht zu nehmen versucht, ohne realistische Alternativen zu bieten. Eine erhöhte Benzinsteuer hätte nur dann Sinn, wenn sie es auch ermöglicht, tatsächlich weniger Auto zu fahren, - aber dazu bietet sie zu wenig an.

Die Erfahrungen mit dem Verkehrskonzept Vauban machen deutlich, dass die stadtplanerischen und politischen Möglichkeiten sowohl zur Verkehrsvermeidung und Verwirklichung einer "Stadt der kurzen Wege" als auch zur Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte sowie für ein Leben ohne eigenes Auto sind vielfältig.

Vauban zeigt, dass eine erfolgreiche nachhaltige Verkehrspolitik neben einer notwendigen Verbesserung der Mobilitätstechnik (geringerer Flottenverbrauch, Einsatz regenerativer Energien, schadstoffärmerer Techniken) auf drei wesentlichen Säulen beruht:

  • einer Stadtplanungspolitik der kurzen Wege,
  • Angeboten alternativer Mobilität (Förderung ÖPNV, Car-sharing, Sammeltaxis etc.)
  • Restriktionen gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (Parkraumbewirtschaftung, finanzielle Entlastung autofreier Haushalte etc.)

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