• Einräder auf der Vaubanallee
    Einräder auf der Vaubanallee
  • Winter in der Gropiusstrasse
    Winter in der Gropiusstrasse
  • Marktplatz vor Haus 037
    Marktplatz vor Haus 037
  • Pippi Langstrumpf
    Pippi Langstrumpf
  • Grünfläche Nordwest
    Grünfläche Nordwest
  • Solarsiedlung
    Solarsiedlung

Ablauf (Kurzfassung)

Die Planung des neuen Stadtteils Vauban wurde sozusagen von zwei Seiten und doch gemeinsam in Angriff genommen:

Auf der einen Seite stand die Stadtverwaltung Freiburg und der Gemeinderat, die vor der Aufgabe stand aus der von den Franzosen aufgegebenen Kaserne etwas Neues zu gestalten. Der Gemeinderat entschied bereits in 1992 trotz damals noch geringer Kenntnis der vorhandenen Bausubstanz (so kritisierte der Forum Vauban) "alles abzureissen" (außer SUSI und dem Studentenwerk) um komplett neu zu bauen. Es war damals schon das Bestreben der Stadt, die Baustandards, insbesondere beim Wärmeschutz, zu verbessern:

  • Freiburger Niedrigenergiehaus-Bauweise (65 kWh/m2a nach IWU-Messverfahren)
  • Baumschutzsatzung (Gesunde Bäume ab 25 cm Stammdurchmeser müssen erhalten bleiben)
  • Nahwärmenetz mit Blockheizkraftwerk
  • Nähe von Wohnen und Arbeiten, Stadtteil der kurzen Wege
  • Relativ hohe Wohndichte (Vermeidung von Flächenfrass im Umland)

Die Verwaltung führte einen "städtebaulichen Wettbewerb" durch, an dem ca. 60 Büros teilnahmen, den das Büro "Kohlhoff & Kohlhoff" (leider in 2011 geschlossen) aus Stuttgart gewann. Der Gewinnerentwurf stiess auf große Zustimmung.

In dieser Zeit befand sich als Zwischennutzung noch eine Asylunterkunft in einigen Mannschaftsgebäuden der Kaserne, andere Gebäude waren vom Essenstreff für Bedürftige, der VABE und anderen genutzt. Sechs ehemalige Mannschaftsgebäude wurden an das Studentenwerk verkauft, sie bilden heute die "Stusie" (Studentensiedlung Vauban).

Engagierte Bürger gründeten noch vor der Ausschreibung des Wettbewerbs im Kasernengebäude 007 den als gemeinnützig anerkannten Verein "Forum Vauban e.V.", um einen "ökologischen Modellstadtteil" ins Leben zu rufen. Parallel dazu verhandelte das Wohnprojekt SUSI mit dem Bund um den Kauf und Renovierung von vier gut erhaltenen Kasernengebäuden. In den folgenden Jahren entstanden etwa 60 verschiedene, erfolgreiche Baugruppen - so auch das erste Mehrfamilienhaus in Passivhausbauweise in Deutschland.

Die Stadtverwaltung richtete eine "gemeinderätliche Arbeitsgruppe" (GRAG) ein, die den Planungsprozess und die Umsetzung begleiten sollte. In ihr hatte der Forum Vauban e.V. einen Sitz, neben Vertretern der beteiligten Dezernate und der Fraktionen des Gemeinderats. Stadt und Forum Vauban nahmen bei der "Weltsiedlungskonferenz Habitat II" in Istanbul teil und wurden als "Best Practice"- Projekt ausgezeichnet - noch kein Haus war zu dem Zeitpunkt neu gebaut worden.

Die Stadtverwaltung erstellte einen Baubauungsplan, der über mehrere Jahre hinweg viermal geändert wurde. Dadurch sollten Erkenntnisse aus dem ersten Bauabschnitt einfliessen und den Entwicklungsprozess optimieren (Stichwort "Lernende Planung").

Da abzusehen war, dass der schön gelegene Stadtteil auf ein großes Interesse stoßen würde, erachtete die Stadtverwaltung (anders als im gleichzeitig geplanten Stadtteil Rieselfeld) es zunächst nicht für notwendig, ihn durch ein Bürgerzentrum attraktiver zu machen. Sie entschied sich zu einer deutschlandweit einmaligen "In-Sich-Finanzierung" also der Erwartung, die Ausgaben an Infrastruktur plus Schule mögen nicht größer sein als die Einnahmen durch den Verkauf der Grundstücke, sprich man wollte einen finanziellen Gewinn festschreiben oder wenigstens Kosten vermeiden.

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und den Bürgern verlief oft im Konsens und in der Regel konstruktiv. Einzelne Streitpunkte wurden jedoch erst nach Jahren aufgelöst: So konnte der Marktplatz (Alfred-Döblin-Platz) erst nach zehn Jahren im Zentrum gebaut werden, das Stadtteilzentrum Haus 037 wurde nach vierjährigen Verhandlungen den Bürgern zur Renovierung überlassen (und später auch finanziell unterstützt), das Gelände verpachtet. Die Realisierung des sehr erfolgreichen und weltweit ausstrahlenden Verkehrs- und Parkierungskonzepts wurde erst nach langwierigen Verhandlungen und mehreren rechtlichen Prüfungen von der Stadtverwaltung akzeptiert und umgesetzt.

Der Stadtteil Vauban hat weltweit mehrere Preise gewonnen ud erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit, nicht nur bei Zugereisten und Einheimischen, sondern auch bei den geschätzt 30.000 Fachbesuchern, die dem Stadtteil pro Jahr einen Besuch abstatten, meist in Fachführungen organisiert, für die es mehrere spezialisierte Anbieter gibt.

Der Forum Vauban wurde dagegen durch eine Rückforderung der EU an zuvor bewilligten und abgerechneten Geldmittel in den Konkurs getrieben, heute übernimmt die von der Stadt eingerichtete und bezahlte Quartiers-Sozialarbeit und der neu gegründete Stadtteilverein seine damaligen Funktionen der Kommunikation und politischen Willensbildung im Stadtteil.

 

 

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