• Marktplatz vor Haus 037
    Marktplatz vor Haus 037
  • Grünfläche Nordwest
    Grünfläche Nordwest
  • Einräder auf der Vaubanallee
    Einräder auf der Vaubanallee
  • Winter in der Gropiusstrasse
    Winter in der Gropiusstrasse
  • Solarsiedlung
    Solarsiedlung
  • Pippi Langstrumpf
    Pippi Langstrumpf

Von 2000 bis 2004

Anmerkung: Ich freue mich über jede Korrektur und Ergänzung! Andreas Delleske

Harte Zeiten zwischen Twentours und Seniorenpass

Nach dem Jahrtausendwechsel gab es nicht nur eine totale Sonnenfinsternis zu sehen, der Forum Vauban sah sich plötzlich einer unerfüllbaren Geldforderung ausgesetzt, wurde in den Konkurs gezwungen obwohl alles getan wurde um ihn abzuwenden und das Projekt "Drei5Viertel" wurde gegründet und bald darauf wurden die dazugehörigen Häuser durch Order der Stadt zerstört. Keine gute Zeit für den Stadtteil - aber der Reihe nach:

Die EU will planmäßig ausgegebenes Geld zurück

Wie auf den vergangenen Seiten zu lesen, erhielt der Forum Vauban für die innovative Planung Fördergelder von mehreren Seiten: Vier Forschungsprojekte wurden durch die DBU finanziert, ein gößeres Projekt durch die EU. Gegenstand des LIFE-Forschungsprojektes war unter anderem: Wie ändert sich das Konsumverhalten, wenn ökologische Hausgeräte etwas erschwinglicher werden.

Mit der EU wurde ein bestimmtes Vorgehen beschlossen und durchgeführt, nach einigen Jahren komplett abgerechnet, es wurde der Abschlussbericht geschrieben und von der EU akzeptiert, alle waren zufrieden. Es sah alles nach einem erfolgreichen Projekt aus, bis der Verein die volle Härte der EU-Bürokratie zu spüren bekamen: Im Jahr 2003 erhielt er eine rätselhafte "Lastschriftanweisung" der EU - sie wollte 160.000 EUR zurück. Details lesen Sie am besten hier, denn es ist komplex.

Da er nicht alles von unseren Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen zahlen konnte (die Fördergelder waren längst planmäißg ausgegeben) musste der Forum Vauban Konkurs anmelden, denn obwohl der Verein sicher war nichts falsch gemacht zu haben. Viel zu holen war nicht, alles Geld wurde der EU angeboten. Aber das war der EU nicht genug - sie prozessierte und bekam an Ende noch viel weniger Geld, da wie üblich die Kosten des Konkursverwalters zuvor abgezogen wurden.

Konkurs und zwei Gerichtsverfahren

Der Verein verlor das erste Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Freiburg - meiner Ansicht nach hatte die Richterin nicht die Komplexität des Ganzen verstanden und die EU wollte es so aussehen lassen als sei alles ein Fehler der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder. Es kam heraus dass es bei der EU neun verschiedene Behörden gab, die alle mit unserem Projekt befasst waren - und niemand bei der EU entnahm daraus eine Verpflichtung dass die 9 Behördenteile miteinander kommunizeren müssen - das solle der Verein leisten.

Der Verein ging in Berufung und wurde dann zwar nicht komplett schuldlos gesprochen, aber "wenn überhaupt trifft den Verein ein geringes Verschulden", schrieb die BZ. Es musste keine Strafe gezahlt werden, aber jeder blieb auf seinen (inzwischen fünfstelligen) Rechtsanwaltkosten sitzen. Eine Spendenaktion half den Beschuldigten jedoch, einen Teil der Kosten nicht selbst zahlen zu müssen.

Der Forum Vauban war also abgewickelt. Andererseits war die Planungsleistung für die Stadt auch zum größten Teil erfüllt. Traurig, dass die Stadtverwaltung gerne die Planungsleistung entgegennahm und sich im Prestige sonnen konnte - als es hart auf hart kam stellte sich die Stadtverwaltung kein bisschen hinter den Forum Vauban - auch als klar war dass die Verantwortlichen nichts Verwerfliches getan hatten. 

Ein Hausprojekt scheitert

Es gab noch ein anderes Scheitern zu vermelden:

Recht bald nachdem SUSI, das Haus 037 und andere Projekte erfolgreich gestartet waren, bildete sich eine andere Gruppe von Menschen, die drei weitere Kasernenegebäude im Vierteil erhaten und in preiswerten und ökologischen Wohnraum umbauen wollten. Das Projekt nannte sich "Drei5Viertel", was bedeutet, dass "drei von fünf Kasernengebäude im Viertel" erhalten bleiben sollten. Vom Zuschnitt des Bebauungsplan wäre das dank des Vorschlag der Stadtplaner "Kohlhoff und Kohlhoff" durchaus möglich gewesen. Natürlich wollte Drei5Viertel auch den fixen Grundstückspreis bezahlen - wollte also keinerlei Unterstützung durch die Stadt ausser eben Wohlwollen und das Placet des Gemeinderats.

Es wäre auch fast dazu gekommen - Drei5Viertel hatte sogar eine Bankzusage, immerhin für zwei statt drei Gebäude. Eine Bankzusage ist schon recht schwer zu bekommen, das Projekt war also als seriös befunden worden. Es hätte nichts dagegen gesprochen, das Projekt mit 2 Häusern zu starten. dann kam es aber zu einer denkwürdigen Gemeinderatssitzung:

Die Verwaltung hatte sogar schon das Prozedere mit Drei5Viertel vorbereitet und abgesprochen. Als aber der damalige Baubürgermeister Schmelas das Wort ergriff, erweckte er den Eindruck dass Drei5Viertel überraschend eine Bankbürgschaft von der Stadt für die Kaufsumme verlangt hätte. Daraufhin bekamen die Gemeinderäte "kalte Füsse" und das Projekt scheiterte nicht nur, sondern die Stadt bestellte eine Hundertschaft um die Kasernen räumen zu lassen und abzureissen.

Korrekt war, dass jedes einzelne Sozialwohnungsprojekt in Deutschland eine solche Bürgschaft erfordert, - das ist eine normale Bedingung, nichts neues - und wurde auch im Vorfeld schon mit der Stadt besprochen. Nur Herr Schmelas stellte es so dar als wäre es eine Forderung von Drei5Viertel.

Nie wird sich feststellen lassen ob Herr Schmelas absichtlich dieses Thema aufgebauscht und damit bewusst falsch dargestellt, also gelogen hatte oder ob er "versehentlich" einfach nicht infomriert war, also geschlampt hat.

DIVA "kippelt" in den Gemeinderat

Es gab noch ein weiteres Kasernengebäude, das ehemalige Mannschaftsgebäude "Haus 050" im Norden des Stadtteil Vauban, in der heutigen Lise-Meitner-Strasse. Da es in der Zwischennutzung als "Asylsammelstelle" (andere sagten Abschiebelager) vom Bund renoviert und mit Büroinfrastruktur und neuen Panzerglasfenstern ausgestattet wurde war es in einem guten bis sehr guten Zustand. Es war daher naheliegend, dass sich auch hier Interessenten fanden, die das Haus als "Dienstleistungshaus Vauban" (daher "DIVA") wiederauferstehen lassen wollten.

Es gab aber ein Problem: DIVA sollte stets ein reines Gewerbezentrum - ohne Wohnungen - werden. Der Grundstückspreis für Gewerbe (wie bei der Villaban) war auf 180 EUR pro Quadratmeter festgesetzt, ein Betrag den DIVA gerne hätte zahlen können und wollen. Kurz vor der Bewerbung DIVA gefiel es jedoch der Stadt, das Gelände in "Mischgebiet" umzuwandeln (also sind auch Wohnungen möglich) - was der Stadt einen tiefen Schluck aus der Pulle ermöglichte: Quasi über Nacht sollte der Grundstückspreis 400 oder 450 EUR pro Quadratmeer betragen. Hinzu kam, dass DIVA über einen Tiefkeller verfügt, in dem uralte unbenutzbare Gaskessel stehen, die schon seit 1990 ncht mehr benutzt worden waren - eine Altlast. Klar war, dass es teuer wird, diese Altlasten zu entfernen.

Wie anderswo selbstverständlich, wollte DIVA nun vom Grundstückspreis (1,1 Millionen) Abrisskosten des Gebäudes oder wenigstens Ausbaukosten der Altlasten abgezogen wissen. Hier wollte die Stadt DIVA nicht einen Zentimeter entgegenkommen. Und so titelte die BZ "DIVA kippelt in den Gemeinderat" wo es doch eher die Stadtverwaltung war die versuchte das Projekt mit allen Mitteln zu verhindern.

Am Ende dieser Zeit (etwa 2004) war nicht mehr klar, ob die Stadt überhaupt noch Interesse an Bürgerbeteiligung hat, die nicht nur verlangt und redet, sondern auch Geld sammelt und selbst die Dinge in die Hand nimmt. Es sah so aus, als würde die Stadt wie schon zu SUSI's Zeiten den Wert von mehr oder weniger selbstorganisierten Bürgerprojekten für vor allem die Einkommensschwächeren negieren.

Die Baubürgermeisterstelle wird abgeschafft

Der zuständige Baubürgermeister in dieser Zeit, Dr. Matthias Schmelas, verdiente sich aber auch mit anderen Projekten einen zweifelhaften Ruf: In einer freiburger Schule fiel eine abgehängte Decke auf die Schüler, - zum Glück kamen sie mit dem Schrecken und kleinen Verletzungen davon. Der Mangel war bekannt und lag bei Herrn Schmelas' Amt auf dem Tisch - flugs versuchte er die Verantwortung dem Umweltamt zuzuschieben. Die BZ hielt es nicht für nötig, darüber zu berichten, erst als die Stuttgarter Nachrichten berichteten kam Schub in die Sache.

Das Ende vom Lied war, dass die Stadt den Baubürgermeisterstelle (und damit Herrn Schmelas) abschaffte - denn Herr Schmelas hatte bewiesen dass es auch irgendwie funktioniert wenn er kaum tätig wird. Etwa zehn Jahre später hat die Stadt dann eine Baubürgremeisterstelle wieder neu eingeführt, und der "Neue", Herr Haag, verbreitet bisher eine ganz andere und positive Stimmung.

<< Von 1997 bis 2000 | Übersicht Stadtteilgeschichte | Von 2004 bis 2008 >>

 

© 1998 - 2013 vauban°de - Der Freiburger Stadtteil mit Flair und Lebensqualität