• Grünfläche Nordwest
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  • Marktplatz vor Haus 037
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  • Einräder auf der Vaubanallee
    Einräder auf der Vaubanallee
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  • Winter in der Gropiusstrasse
    Winter in der Gropiusstrasse
  • Pippi Langstrumpf
    Pippi Langstrumpf

Von 1997 bis 2000

Das Forum Vauban und der neue Stadtteil

Etwas Neues beginnt immer mit einer Idee im Kopf eines Einzelnen oder einer Gruppe. Das war so bei SUSI, und das war auch beim Forum Vauban der Fall. Jemand hat einen Traum (es gibt eindrucksvolle Beispiele dafür in der Geschichte), durch hartnäckiges Weiterträumen und -erzählen nimmt dieser Gestalt an, und irgendwann wird er real.

So wie die Vordenker von SUSI Anfang der Neunzigerjahre träumten, taten dies - etwas später im Sommer 1993 - zwei Personen, die sich im Zusammenhang mit den Aktivitäten um die B31 Ost, kennengelernt hatten: Matthias-Martin Lübke und André Heuss. Der erste hatte sich als Vorsitzender der Freiburger Auto-Gemeinschaft (FAG) viel mit Mobilität beschäftigt und sich für zeitgemäßes ökologisches und autoreduziertes Wohnen im Rieselfeld eingesetzt - und resigniert. Der andere war Student der Geografie, vor allem Stadtgeografie, und irgendwann wurde in einer Kneipe hinter der Uni die Idee geboren: Lasst uns einen neuen Stadtteil machen.

Die Beiden fanden Gleichgesinnte, u.a. Michael Berger von der Spechtpassage, den Jura-Studenten und Umweltaktivisten Christian Epp sowie Bobby Glatz von SUSI. Und man war sich von Beginn an einig, dass der Traum in eine konkrete Planung münden sollte. Leitlinien waren ökologische Konzepte beim Bauen und bei der Energieversorgung, Bewohnerbeteiligung bei der Planung und weitgehend autofreies Wohnen, alles unter dem Motto: Kosten und Flächen sparen und eine möglichst hohe Lebensqualität erreichen.

Start mit Privatdarlehen

So wurde am 22.12.1994 das Forum Vauban mit 7 Mitgliedern gegründet, von denen jedes ein persönliches Darlehen von 14.000 DM einbrachte. Nach zwei Monaten waren es schon 60 (und heute, 2003, um die 400), und die folgenden Jahre waren äußerst arbeitsintensiv. In vielen Tag-und Nachtsitzungen im inzwischen abgerissenen Haus 7 wurden Ideen für den neuen Stadtteil entwickelt: von den begeisterten Visionären und mit Hilfe von Fachleuten.

Den städtebaulichen Wettbewerb, den die Stadt Freiburg bundesweit ausgeschrieben hatte, gewann das Büro Kohlhoff aus Stuttgart. Darin wurde u.a. die Ost-West-Ausrichtung der meisten Häuser festgelegt sowie die Geschosshöhe, durchaus in Anlehnung an die ursprünglichen Kasernenbauten. Und obwohl nicht alles den Vorstellungen des Forum Vauban entsprach (z.B. eine riesige Garage nördlich der Marie-Curie-Straße), konnte man mit dem Plan leben, weil er etliche Optionen offenließ, so den eventuellen Erhalt von Kasernengebäuden, den Standort des Supermarktes oder die Gestaltung der Stadtteilmitte.

Der Durchbruch für das Forum Vauban war der Beschluss der Stadt, bei der Planung des neuen Stadtteils - ähnlich wie im Rieselfeld - eine erweiterte Bürgerbeteiligung mit einzubeziehen, denn die Koordination dafür wurde dem Forum übertragen. So hatte es im Mai 1995 seinen ersten öffentlichen Auftritt, der in der Erinnerung der Beteiligten wohl sehr gut gewesen sein muss. Zumindest kamen 80 Interessierte, es wurden fünf Arbeitsgruppen gebildet, und die Vertreter der Stadt, allen voran der damalige Baubürgermeister von Ungern-Sternberg, erkannten, dass sie es nicht nur mit engagierten, sondern vor allem kompetenten Leuten zu tun hatten. Bei der Lobbyarbeit im Gemeinderat und bei der Stadtverwaltung wurde das Forum Vauban mit nicht nachlassender Beharrlichkeit von der Gemeinderätin Margot Queitsch (SPD) und ihrem Kollegen Eckart Friebis (Grüne) unterstützt. So wurde die Vision des neuen Stadtteils festgeschrieben:

  • stark autoreduziertes Verkehrskonzept,
  • Stadtteil der kurzen Wege,
  • ökologisches Nahwärmekonzept,
  • soziale Mischung,
  • Vorrang von privaten Baugruppen und genossenschaftlichen Selbsthilfemodellen vor Investoren bei der Grundstücksvergabe.

Wohnfrühling in Vauban

Wichtig war aber vor allem, dass das Forum als Gesprächspartner akzeptiert wurde, einen Sitz in der gemeinderätlichen Arbeitsgruppe erhielt, und nun auch Geld floss. Durch Unterstützung des neu gegründeten Kuratoriums Vauban unter Vorsitz des Baubürgermeisters bekam das Forum 40.000 DM jährlich und konnte nun ein Büro einrichten.

Ende November 1995 bewilligte die Stadt 30.000 DM für die Öffentlichkeitskampagne "Wohnfrühling", und nur einen Tag später kamen 160.000 DM von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), was Anlass zu einer diesmal nicht durcharbeiteten, aber zu einer durchfeierten Nacht wurde. Nun konnten bezahlte MitarbeiterInnen eingestellt werden: André Heuss, Christian Epp, Laurenz Hermann und Carsten Sperling, später Ralf Tiltscher, Georg Steimer, Eva Luckenbach und Claudia Nobis. Nach der Veröffentlichung der Broschüre Wohnfrühling kamen knapp 1000 Antwortkarten zurück, und ab Juli 1996 gab es Projektbörsen für Baugruppen und Genossenschaften (Matthias-Martin Lübke träumte auch als erster von der Genova, die dann am 20.6.1997 gegründet wurde). Im Juli 1997 wurde der Bebauungsplan einschließlich des Bürgerhauses (also keine Wohnhäuser auf dem heutigen Marktplatz) beschlossen, Grundstücke wurden vergeben, und im April 1998 war Baubeginn.

Ein Höhepunkt war zweifellos die Auswahl von Vauban als Deutsches "Best Practice Projekt" zur UNO-Weltsiedlungskonferenz Habitat II in Istanbul 1996. Begründung: der kooperative Planungsprozess zwischen Stadt und BürgerInnen. Die Auszeichnung nahm Oberbürgermeister Böhme entgegen, weil nur er nach Istanbul gefahren war. Der Preis war nicht mit einer Geldzuwendung verbunden, aber er machte das Projekt bekannt. Hierdurch öffneten sich so manche Türen: bei der Stadt, die nun das autoreduzierte Verkehrskonzept und das Bürgerhaus akzeptierte, und bei der Europäischen Kommission, die 1997 Mittel aus dem sogenannten LIFE-Programm bereitstellte (1,4 Mill). Hierdurch waren die Stellen der hauptamtlichen MitarbeiterInnen bis Ende 1999 gesichert. Außerdem konnten konkrete ökologische Projekte wie die Genova unterstützt sowie Solaranlagen und Car Sharing finanziell gefördert werden. Das starke Interesse auch der überregionalen und internationalen Presse ist bis heute ungebrochen - die vielen Besuchergruppen sind hierfür ein für alle sichtbarer Beweis. Die Männer der ersten Stunde Matthias-Martin Lübke und André Heuss haben sich aus der aktiven Arbeit im Forum zurückgezogen - ihr Kind hat laufen gelernt - aber beide werden demnächst in dem Stadtteil wohnen, von dem sie vor weniger als zehn Jahren geträumt haben. Insofern ist die Geschichte des Forum Vauban wohl eine Erfolgsgeschichte.

Christa Becker, 2000

Über den Namensgeber der Kaserne: Sébastian le Prestre de Vauban

* 01.05.1633 Saint-Léger (= Saint-Léger-Vauban, Dep. Yonne) † 30.03.1707 Paris

Sébastien le Prestre de Vauban gilt bis heute als größter Festungsbaumeister seiner Zeit. Vauban, der aus einer in bescheidenen Verhältnissen lebenden Adelsfamilie stammte, diente zunächst in der spanischen Armee. 1653 trat er in den Dienst der französischen Armee, in der er bis zum Marschall von Frankreich (1703) und zum Generalkommissar für das Festungswesen (1678) aufsteigen sollte. Bereits 1662 übernahm Vauban die Arbeiten und Aufgaben des Generalkommissars für das Festungswesen für seinen dienstunfähigen Vorgänger Clervilles. Die erste Festung, die unter seiner Anleitung gebaut wurde war 1662 Dünkirchen. In den folgenden Jahren folgte der Ausbau von mehr als 300 Festungsanlagen, darunter 33 Neubauten. Einer dieser Neubauten war auch die Stadt und Festung Saarlouis.

Neben seiner Arbeit als Festungsbaumeister machte sich Vauban aber auch auf anderen Gebieten einen Namen. So leitete er zum Beispiel erfolgreich die Belagerung und Einnahme verschiedener Grenzfestungen in den spanischen Niederlanden. Vauban, der sich seine umfangreiche Kenntnisse im Wesentlichen als Autodidakt angeeignet hatte, verfasste neben seinen militärwissenschaftlichen und mathematisch-technischen Schriften, auch verschiedene Veröffentlichungen in den Bereichen der Ökonomie, der Politik und der Sozialwissenschaften. Seine empirischen Arbeiten stützten sich dabei auf umfangreiche statistische Untersuchungen. Sein weitreichendes und kritisches Interesse an den verschiedenen Bereichen der Politik und an den sozialen Verhältnissen brachte Vauban aber auch in Konflikt mit den Vertretern des Adels und des Klerus. So wurde eine seiner Schriften über Steuererhebung, -belastung und -verteilung 1706 verboten und verbrannt.

Wie wichtig es für Vauban war, sich mit verschiedenen Aspekten der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik zu beschäftigen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen, wird auch an einem seiner bekanntesten Aussprüche deutlich: "Ein Soldat, der nur seinen Degen kennt, ist zu nichts Großem fähig".

Quelle: www.saarlouis.de

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