• Einräder auf der Vaubanallee
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  • Pippi Langstrumpf
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  • Grünfläche Nordwest
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  • Winter in der Gropiusstrasse
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  • Marktplatz vor Haus 037
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Von 1945 bis 1990

Die Schlageterkaserne wird Vaubankaserne

Mit der Schlageterkaserne hatte es bereits nach sieben Jahren ein Ende, am 21. April 1945 marschierten die Franzosen in Freiburg ein. Aber bereits nach dem Angriff auf Freiburg am 27.11.1944 war das Wehrbezirkskommando nach Lenzkirch im Schwarzwald verlegt worden. Damit einher ging - nach einem Bericht des letzten Kommandeurs - die Verbrennung von allem entbehrlichen Aktenmaterial, das im April 1945 dann ganz vernichtet wurde. Auch das Wehrbezirkskommando musste sich ins Allgäu begeben, wo es aufgelöst wurde. Vermutlich konnten die Franzosen leerstehende, gut erhaltene Gebäude übernehmen.

Es war - aus französischer Sicht - naheliegend, die Kaserne nach dem Festungsbaumeister Sebastian la Prestre, Marquis de Vauban, zu benennen. Hatte der doch Ende des 17. Jahrhunderts, als die Franzosen unter Ludwig XIV. Freiburg schon einmal eingenommen hatten, aus der Stadt eine Festung gemacht, die das Stadtbild grundlegend veränderte und bei deren Bau auf die Bevölkerung keine Rücksicht genommen wurde. Da wurden Gewerbetreibende aus der Vorstadt vertrieben für das Glacis, das planierte Vorfeld vor den Festungsmauern, die Bürger wurden beim Bau eingespannt, Wasserläufe wurden verlegt, wodurch viele vom Wasser abhängige Betriebe bankrott gingen - der anscheinend so geniale Ingenieur Vauban war kein Segen für die Stadt Freiburg. Aber bei der hasserfüllten Beziehung, die zwischen Deutschen und Franzosen 1945 bestand, war die Namensgebung Vauban für die ehemalige Nazikaserne nur logisch. Dass der Name für den neuen Stadtteil beibehalten wurde, zeigt, dass die Zeit und das veränderte Verhältnis zwischen den beiden Staaten die alten Ressentiments hat verschwinden lassen, und der Name Quartier Vauban, den man deutsch oder französisch aussprechen kann, dokumentiert eine enge Beziehung zur Freiburger Geschichte.

Nach Kriegsende wurde das Kasernenareal zunächst Sammelstelle für polnische und russische Zwangsarbeiter, die sich auf den Feldern von St. Georgen und Haslach das holten, was ihnen lange vorenthalten worden war, und die vor den Kasernenmauern an der Wiesentalstraße einen blühenden Schwarzmarkt unterhielten. Es ist zu vermuten, dass dieser erste Vaubanmarkt mehr Zulauf hatte als der heutige.

Im Herbst 1945 wurden die ehemals Deportierten in ihre Heimatländer zurückgeschickt, und es zogen französische Truppen in die Kasernen ein, für die die Anlage erweitert wurde. Am Ortsrand von Merzhausen wurde ein flaches, weißes Casino für Offiziere gebaut, das heute Asylunterkunft ist, und auf dem Gelände jenseits der Heinrich-Mann-Straße entstanden weitere Mannschaftsgebäude, die sich im Baustil eng an die ursprünglichen Gebäude hielten, wie es an den Häusern für die Asylbewerber noch zu sehen ist. Ein gefürchteter Ort war damals das heute so adrett aussehende Haus der International Solar Energy Society ( ISES). Dort befand sich jahrelang die Meldestelle für die Fremdenlegion.

Christa Becker, 2000

Besuch aus Frankreich

An einem sonnigen Tag im August 1999 sah Jochen Maurer von der Baugruppe "Gärtner / Passivhaus" einen Campingbus mit französischem Kennzeichen auf dem Vaubangelände stehen. Im Glauben, der Fahrer hätte sich verirrt, wollte er bei der Suche nach dem richtigen Weg behilflich sein. Doch wie sich herausstellte, waren die Franzosen bereits am Ziel angekommen: in der Vauban-Kaserne, in der Monsieur Robert Loret von 1954 bis 1956 gelebt hat.

Immer wieder hatte er seiner Frau erzählt, daß er einmal an diesen Ort zurückkehren möchte, ohne zu ahnen, was in der Zwischenzeit mit Vauban passiert ist. Um das zu erfahren, haben sie genau die richtigen Leute getroffen. Jochen Maurer und seine Frau Martine Duboux, gebürtige Französin, luden sie spontan zum Kaffeetrinken ein.

Monsieur Loret beschreibt die Zeit in Freiburg als die prägendste in seinem Leben. Zu Deutschen hätten sie wenig Kontakt gehabt, eigentlich nur bei Kneipenbesuchen. Ein etwas komisches Gefühl sei es schon gewesen, in Deutschland zu sein. Hat er doch als Kind die Besatzung der Deutschen in der Normandie miterlebt.

Die Kameraden von einst treffen sich, wie Monsieur Loret erzählt, jedes Jahr. Vielleicht sollten sie ihr Wiedersehen einmal nach Vauban verlegen.

Claudia Nobis

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